[b]Eine Geschichte aus meinem Leben...
über Obdachlosen Michael umd mich... [/b]
Du kamst wie ein Flüstern in mein Leben,
ganz leise, ohne anzuklopfen.
Während ich ein Dach über mir hatte,
trugst du den Himmel als einzige Decke.
Und doch war da etwas,
das mich umdrehen ließ,
als ich eigentlich längst vorbeigegangen war.
Zwei Tage später saßt du bei uns,
mit müden Augen
und einem Herzen voller Narben.
Wir haben geweint,
wir haben gelacht,
Nächte mit Geschichten gefüllt
und Stunden vergessen,
weil sich alles plötzlich menschlich anfühlte.
Ich kannte das Gefühl von „Bruder“ nie wirklich,
doch bei dir war es anders.
Als würdest du irgendwo tief in meiner Seele
einen Platz kennen,
den vorher niemand gefunden hatte.
Du sagtest, ich könne stolz sein,
dass du mich deine Freundin nennst.
Und ich sehe noch immer dieses Leuchten in deinen Augen,
als du endlich eine Adresse hattest,
einen Schlüssel in der Hand
und für einen Moment das Gefühl,
dazuzugehören.
Du warst nicht lange hier,
doch manche Menschen brauchen keine Jahre,
um Spuren zu hinterlassen.
Manche hinterlassen ein ganzes Erdbeben im Herzen
in nur wenigen Wochen.
Du hast mir Dinge erzählt,
die wahrscheinlich nie jemand zuvor gehört hat.
Du sagtest, du würdest dein Leben
für meine Familie geben.
Und ich habe dir geglaubt.
Vielleicht tue ich es noch immer ein bisschen.
Doch dann kam die Dunkelheit zurück zu dir.
Das Böse, gegen das du jeden Tag gekämpft hast.
Die Lügen.
Der Rauch in der Wohnung,
obwohl du es versprochen hattest.
Und weißt du…
ich war traurig,
unendlich traurig.
Aber irgendwo zwischen all dem Schmerz
war auch Erleichterung.
Weil ich wusste,
dass ich dich nicht retten konnte,
egal wie sehr ich es wollte.
Manche Menschen sind wie Sterne,
die nur kurz am Himmel erscheinen,
aber selbst nach ihrem Verschwinden
noch lange Licht hinterlassen.
Und genau das bist du, Michael.
Vielleicht läufst du irgendwo da draußen noch immer
durch fremde Straßen,
mit zu viel Schmerz im Herzen
und zu wenig Frieden im Gepäck.
Vielleicht hast du endlich einen Ort gefunden,
an dem niemand mehr friert,
niemand mehr kämpfen muss
und niemand mehr lügen braucht,
um zu überleben.
Leb wohl, Michael.
Egal wo du bist —
ein Teil von dir
wird für immer bei mir bleiben.
Du nanntest mich „Snoppy“, ganz leise, ganz klein,
und irgendwie wird dieser Name immer bei mir sein.
Wie oft frag ich nachts den dunklen Wind:
„Sag mir bitte, wo Michael heut ist und wer wir sind.“
Ob du noch lebst, ob du irgendwo lachst,
oder ob du noch immer durch kalte Straßen wachst.
Doch niemand kann Antworten geben auf das,
was tief in meinem Herzen verborgen noch saß.
Nur Hoffnung bleibt übrig, still, leise und klein,
dass irgendwo auf der Welt deine Augen noch frei sind vom Pein.
Du warst nicht perfekt, doch das musste nie sein,
denn manche Menschen tragen ihr Kämpfen allein.
Und auch wenn dein Weg sich verlor irgendwann,
denke ich heute noch oft an dich dann und wann.
Vielleicht denkst auch du manchmal zurück,
an Wärme, an Zuhause, an ein kleines Stück Glück.
An Menschen, die dich sahen — nicht nur deinen Schmerz,
sondern den guten Menschen tief drin in deinem Herz.
In liebevoller Erinnerung an unsere kurze Freundschaft