[b][SIZE=2][i]Meine Traumwelt[/b][/SIZE][/i]
Es war einmal ein kleines Mädchen, das sich nichts sehnlicher wünschte, als geliebt zu werden.
Sie lernte früh, um Aufmerksamkeit zu bitten. Sie versuchte, lieb zu sein, still zu sein, stark zu sein – einfach alles, was ein Kind tun kann, wenn es glaubt, Liebe müsse man sich verdienen. Zuhause erlebte sie Dinge, die kein Kind erleben sollte. Ihr Stiefvater schlug sie, und trotzdem blieb in ihrem kleinen Herzen diese Hoffnung: Vielleicht werde ich eines Tages genug sein. Vielleicht sieht mich jemand. Vielleicht liebt mich jemand einfach so, wie ich bin.
Viele Jahre trug sie diese Sehnsucht mit sich.
Doch irgendwann begann etwas in ihr zu wachsen.
Aus dem kleinen Mädchen wurde eine Frau. Eine Frau, die gelernt hatte, auf eigenen Beinen zu stehen. Eine Frau, die nicht mehr darum kämpfen wollte, gesehen zu werden. Eine Frau, die langsam verstand, dass ihr Wert niemals davon abhängig war, wie andere sie behandeln.
Und dann kam eine Zeit in ihrem Leben, in der vieles gleichzeitig schwer war. Die Selbstständigkeit ihres Mannes, kleine Kinder, Verantwortung, Sorgen und all die Dinge, die das Leben manchmal so laut machen.
Mit 36 Jahren traf sie eine Entscheidung.
Sie hörte auf zu rauchen.
Nicht, weil plötzlich alles leicht war. Sondern vielleicht gerade deshalb, weil sie begriffen hatte, dass ihr Leben kostbar ist. Dass sie nur dieses eine Leben hat. Dass jeder Atemzug ein Geschenk ist.
Seitdem schaut sie anders auf ihr Leben.
Sie dankt Gott von Herzen – nicht nur für die großen Dinge, sondern auch für die kleinen. Für einen neuen Morgen. Für Menschen, die ihr begegnen. Für ein Lächeln. Für eine Umarmung. Für die Möglichkeit, gesund aufzuwachen und diesen Tag erleben zu dürfen.
Sie nennt ihre Welt manchmal ihre Traumwelt.
Aber ihre Traumwelt bedeutet nicht, dass alles perfekt ist.
Sie bedeutet, dass sie sich entschieden hat, trotz allem an das Schöne zu glauben.
Sie möchte nicht mehr ständig auf morgen warten.
Sie möchte hier und jetzt leben.
Sie möchte lieben, wenn ihr Herz Liebe empfindet. Sie möchte Menschen berühren, ihnen Mut machen und ihnen zeigen, dass auch aus einer verletzten Seele etwas Wunderschönes entstehen kann.
Und vor allem möchte sie eines nicht mehr tun:
Nein zu ihrer eigenen Liebe sagen.
Denn sie hat verstanden, dass Liebe nichts ist, wofür man sich schämen muss. Liebe ist keine Schwäche. Liebe bedeutet, ehrlich zu sein – zu anderen und vor allem zu sich selbst.
Manchmal hat sie immer noch Angst.
Manchmal kommt das kleine Mädchen von früher zurück und fragt leise:
„Bin ich wirklich liebenswert?“
Dann nimmt die Frau, die sie geworden ist, dieses kleine Mädchen gedanklich in ihre Arme und sagt:
„Ja. Du warst es immer.“
Und vielleicht ist genau das ihre größte Reise:
Nicht mehr darum zu kämpfen, geliebt zu werden.
Sondern zu erkennen, dass sie Liebe in sich trägt – und sie weitergeben darf.
Jeden einzelnen Tag.
Als Geschenk.
Als Chance.
Als kleines Wunder.
Und wenn sie heute morgens die Augen öffnet, möchte sie nicht mehr denken:
„Was muss ich heute schaffen?“
Sondern:
„Danke Gott, dass ich heute wieder leben, lieben und fühlen darf.“
Das ist ihre Traumwelt.
Und vielleicht ist sie gar keine Traumwelt.
Vielleicht ist sie einfach die Welt, für die sie sich nach all den Jahren endlich selbst entschieden hat.
:sun-2:
:balloonsheart: